Stoßwellentherapie: Wann bringt sie etwas?

Stoßwellentherapie: Wann bringt sie etwas?

Energiereiche Schallwellen können Nierensteine zerkleinern und Sehnenschmerzen an Ferse und Schulter günstig beeinflussen. Was Sie wissen sollten:

von Barbara Erbe, aktualisiert am 02.03.2017 (Apotheken-Umschau)



Die Stoßwellentherapie kann beispielsweise bei Fersensporn helfen

Mauritius / Photopat / Alamy

Ob bei Nierensteinen, Fersensporn oder Kalkschulter: Wer sich für eine Stoßwellentherapie entscheidet, tut dies oft, um eine Operation zu vermeiden. Die außerhalb des Körpers (= extrakorporal) erzeugten Druckwellen setzen in tiefer gelegenen Körperregionen gezielt Energie frei, ohne die darüber liegende Haut, das Fettgewebe oder die Muskeln zu beschädigen.

Fokussierte und radiale Wellen

Je nach Dosierung können Stoßwellen Nierensteine zertrümmern oder auch "nur" erkranktes Gewebe reizen und damit Durchblutung und Zellstoffwechsel anregen. "So ist es möglich, geschädigtes Gewebe nicht nur zu reparieren, sondern auch eine Regeneration zu erreichen", sagt der Orthopäde und Schmerztherapeut Dr. Martin Ringeisen aus Augsburg.

Mediziner unterscheiden zwischen fokussierten und radialen Stoßwellen, erläutert Dr. Stefan Heidl, stellvertretender Landesvorsitzender Westfalen-Lippe im Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie. "Der Druck der fokussierten Stoßwelle ist kürzer, intensiver und deutlich zielgenauer als die radiale Stoßwelle."

Radiale Stoßwellen sind energieärmer und eher flächig ausgerichtet. Entsprechend arbeite man im ärztlichen Bereich vor allem mit der fokussierten Stoßwelle, während die radiale Stoßwelle oft auch in der Physiotherapie Anwendung findet, etwa um Muskelverspannungen zu lösen. "Zwar sind radiale Stoßwellen wesentlich kostengünstiger, was sie vor allem für Selbstzahler interessanter macht – aber es gibt kaum wissenschaftliche Untersuchungen zu ihrer Wirksamkeit."

Gute Erfolgsaussichten bei Fersenschmerzen

Wissenschaftlich untersucht hat der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) drei orthopädische Einsatzgebiete der fokussierten Stoßwellentherapie: Fersenschmerz,
 
Kalkschulter und Tennisarm. Die Nebenwirkungen sind in allen drei Fällen gleich und in aller Regel harmlos: mögliche Schmerzen während oder auch kurzzeitig Rötungen, Schwellungen oder Blutergüsse nach der Behandlung. Der jeweilige Nutzen für den Patienten war je nach Anwendung sehr unterschiedlich, berichtet Dr. Christian Weymayr vom IGeL-Monitor des MDS.

Vielversprechend ist eine Stoßwellentherapie vor allem bei Fersenschmerzen durch entzündete Sehnen an der Fußsohle oder beim Fersensporn. "Hier ging es etwa jedem zweiten Patienten bereits nach kurzer Zeit besser und er hatte deutlich weniger Schmerzen." Die übliche Behandlung sieht vor, die Ferse so lange zu entlasten, bis sich die Entzündung zurückbildet – was Monate dauern kann. Insgesamt kommt der IGeL- Monitor für die Stoßwellentherapie bei Fersenschmerzen zu der Bewertung "tendenziell positiv".

Bei der Behandlung schmerzhafter Kalkdepots in der Schulter wiederum sei die Studienlage weniger deutlich, erklärt Christian Weymayr. "Wir sehen zwar viele Hinweise auf einen Nutzen, aber die Studien zeigen nicht klar, wie groß dieser ist und wie lange er anhält." Einen Versuch könne man aber durchaus wagen, wenn die konservative Behandlung mit Schmerzmitteln und/oder Physiotherapie nicht anschlage.

Die wenigsten Belege für einen Patientennutzen verzeichneten die Studien bei der Stoßwellenbehandlung des sogenannten "Tennis-Arms". Darunter versteht man Ellbogenschmerzen durch überlastete Sehnen von Streckmuskeln des Unterarms, etwa Handgelenkstreckern. Die Leistung wird deshalb vom IGeL-Monitor mit tendenziell negativ bewertet. "Das heißt nicht, dass wir sie für schädlich hielten. Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass sie den Betroffenen nutzt."

Kosten

Eine Stoßwellentherapie ist in der Orthopädie eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) und wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt. Der Preis liegt üblicherweise pro Sitzung zwischen 80 und 198 Euro – bei durchschnittlich zwei bis sechs Sitzungen, die zwischen fünf und zehn Minuten dauern.

Nicht angezeigt ist die Stoßwellentherapie beispielsweise bei Gerinnungsstörungen, sagt Ringeisen, oder einer gerinnungshemmenden Therapie. Während der Schwangerschaft ist die Behandlung möglich, allerdings dürfen die Schallwellen keinesfalls an den Fötus dringen. "Das heißt, einen Fersensporn kann auch eine Schwangere mit Stoßwellen behandeln lassen."

Quelle: www.apotheken-umschau.de

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